Macht jedes Böhnchen ein Tönchen? Das ist ein sicheres Zeichen dafür, dass Hülsenfrüchte nur eingeschränkt oder gar nicht vertragen werden.

Man hat die Auswahl an verschiedenen Ursachen dafür.

Meist sind es diese fünf:

  1. die Hülsenfrüchte wurden nicht lange genug eingeweicht
  2. die Kochzeit war zu kurz
  3. es waren zu viel Linsen, Bohnen oder Erbsen in der letzten Mahlzeit
  4. es wird nicht richtig gekaut
  5. es liegt eine Verdauungsschwäche vor

Oft kommen alle Sachen zusammen vor. 🙁


Warum werden ausgerechnet Linsen, Bohnen und Erbsen so schlecht vertragen?

  • Hülsenfrüchte enthalten komplexe Kohlenhydrate, die durch Enzyme aufgespalten werden müssen.
  • Dabei geht es zum einen um leicht aufzuspaltende Kohlenhydrate wie das Amylopektin, das bereits durch Magenenzyme leicht zersetzt wird.
  • Die schwerer verdaulichen Anteile aus den Hülsenfrüchten gelangen weiter bis in den Dickdarm.

Normal ist, dass solche unverdauten Stoffe von den Darmbakterien des Dickdarms zersetzt werden und als geräusch- und geruchslose Blähungen abgehen.

Bei einer Schwäche der Verdauung klappt das leider nicht. 

Normale Verdauung von Linsen und Bohnen

Schauen wir uns mal kurz im Überblick an, wie das so läuft mit der normalen Verdauung: 

normale Verdauung

Ich will nicht zu schulmeisterlich sein, aber schau bitte noch mal auf das erste Kästchen "gutes Kauen". Das ist nämlich ein enorm wichtiger Schritt gleich am Anfang beim Essen.

  • Durch gutes Kauen wird genügend Speichel gebildet und so spaltet sich ein Teil der Kohlenhydrate schon durch den Speichel auf. Damit erleichtert man dem Körper die harte Verdauungsarbeit.
  • Durch die Einspeichelung werden gleichzeitig Enzyme des Magens und der Bauchspeicheldrüse gelockt. Dort übernehmen die Enzyme dann die weitere Vorarbeit.
  • Im oberen Teil des Dünndarms erfolgt mit Hilfe der Enzyme aus der Bauchspeicheldrüse die restliche Zersetzung der Kohlenhydrate.
  • Der unverdauliche Rest landet im Dickdarm.

Soweit der normale Ablauf. Das ist aber nicht immer so. 

Schilddrüsenunterfunktion behindert auch die Verdauung

Sehr viel häufer als man denkt, ist die Bauchspeicheldrüse zu schwach, um genügend Verdauungs-Enzyme zu bilden und sie in ausreichender Menge zu liefern.

Diese Schwäche besteht bei allen, deren Schilddrüse in Unterfunktion ist. 

Wobei damit nicht das Stadium der Unterfunktion gemeint ist, das die Schulmedizin als Hypothyreose bezeichnet, sondern die jahrelang vorher bestehene frühe Unterfunktion. 

Man unterscheidet diese Stadien:

  • frühe Unterfunktion - nicht im Labor nachweisbar
  • manifeste Unterfunktion - es gibt körperliche Beschwerden
  • Spätstadium = Hypothyreose

Eingehender kannst Du das Thema nachlesen in diesem Beitrag: Nicht jede Unterfunktion ist gleich eine Hypothyreose

Merke: Ist die Schilddrüse in Unterfunktion, ist die Funktion anderer Organe davon betroffen, sie reagieren schwächer.


Die "Tönchen" zeigen Schwäche der Bauchspeicheldrüse

Es gibt aber noch mehr Gründe als eine Schilddrüsenunterfunktion, weshalb die Bauchspeicheldrüse ihrer Aufgabe nicht voll und ganz nachkommen kann wie:

  • nachlässiges Kauen
  • ständige Belastung der Leber durch gärende Darminhalte 

Beides verursacht Blähungen. Diese Form von Verdauungsstörung ist sehr verbreitet und wird meist viele Jahre lang nicht beachtet. Wer redet schon gerne über Blähungen? Was für ein peinliches Thema!

Vor allem: wer denkt bei scheinbar harmlosen Blähungen an Krankheit und Schwäche? 

So beschönigende Sätze wie "jedes Böhnchen macht ein Tönchen" vermitteln den Eindruck, als sei es etwas Normales, dass Hülsenfrüchte Blähungen erzeugen. Ist es zwar auch, aber diese normalen Blähungen sind nicht zu spüren.

Erst wenn die Bauchspeicheldrüse schwach ist und auch sonst so einiges nicht stimmt im Bereich der Verdauung, dann werden daraus stinkende und donnernde Blähungen. 

Damit niemand Angst bekommt: Bei dieser Schwäche geht es nicht etwa um eine massive Schädigung oder Krankheit der Bauchspeicheldrüse. Diese Schwäche bekommt man gut wieder in den Griff. 🙂

Auch der Darm ist betroffen 

Die Schwäche der Verdauung fängt beim Zusammenspiel von Dünndarm und Bauchspeicheldrüse an.

  • Die Bauchspeicheldrüse stellt die notwendigen Enzyme für die Verdauung der Kohlenhydrate her, die in den Dünndarm abgegeben werden.
  • Reichen die Enzyme nicht aus, weil die Bauchspeicheldrüse zu schwach ist, wird die Nahrung nicht richtig verdaut und es gelangen unverdaute Nahrungsbestandteile in den Dickdarm.

Die Kette ist also:

Je schwächer die Bauchspeicheldrüse, desto weniger Enzyme, desto schwieriger die Verdauung von Hülsenfrüchten (und anderen Speisen).

Das Problem bei unverdauten Rückständen im Darm ist, dass sich die 'bösen' Darmbakterien vermehren, was man an unnatürlichen (stinkenden) Blähungen merken kann - mal abgesehen von anderen Verdauungsbeschwerden wie Durchfall, Völlegefühl und einem dicken Bauch.

Doch halt, es bringt nichts, allein auf die Bauchspeicheldrüse zu schauen. Die allein ist nicht "schuld".

  • es findet immer ein Zusammenspiel zwischen allen Organen des Oberbauchs statt
  • der Zustand der Leber und des Darms spielen eine große Rolle 

Erleichterung bringt oft eine Knoblauch-Zitronen-Kur, die gleichzeitig Leber, Galle und Bauchspeicheldrüse auf Trab bringt. Probier die Kur am besten mal aus, falls Du unter Blähungen leidest. 

Teufelskreis Hülsenfrüchte und Darmgärung

Hülsenfrüchte enthalten besonders schwer verdauliche Kohlenhydrate, die erst im Dickdarm von Bakterien zersetzt werden.

Dabei entsteht Gärung im Darm. Lauter kleine Bläschen steigen nach oben.

Hülsenfrüchte nicht vertragen

Diese Gärungsbläschen sind übelster Fuselalkohol, der die Leber ganz enorm belastet.

Daraus kann sich sogar eine Fettleber entwickeln. Menschen, die nie einen Tropfen Alkohol getrunken und sich 'gesund' mit Hülsenfrüchten ernährt haben, entwickeln im Laufe der Jahre eine Alkohol-Leber (Fettleber)! 

Gerade die gesundheitsbewußten Menschen ersetzen gerne Fleisch durch Hülsenfrüchte. Werden diese aber nicht gut gekaut und ist die Bauchspeicheldrüse geschwächt, dann setzt ein Teufelskreis ein:

mehr Hülsenfrüchte - mehr Darmgärung - mehr Blähungen - mehr Leberbelastung - mehr …

Aus diesen Gründen ist es ratsam, nicht zu viel Hülsenfrüchte zu essen. 

Ein paar wenige Eßlöffel zu einer Mahlzeit sollten reichen. 

Fleisch als Einlage im Eintopf

Gleichzeitig ist es klug, Hülsenfrüchte mit Fleisch zu servieren. Der Grund dafür ist, dass das tierische Eiweiß das pflanzliche Eiweiß der Hülsenfrüchte ergänzt. 

Denn allein von Hülsenfrüchten mit ihrem hohen Anteil an Kohlenhydraten ist es schwierig, den Bedarf an Eiweiß zu decken. 

Das soll jetzt nicht heißen, dass mehr Fleisch auf den Teller kommen soll, nein.

Eine gute Idee wäre aber, ein wenig Fleisch als Einlage für den Eintopf mit Hülsenfrüchten zu nehmen, zum Beispiel im Erbseneintopf:

Erbsensuppe mit Rindfleisch

Eintopf mit Gemüse, Erbsen und etwas Rindfleisch

Keine Hülsenfrüchte bei Histamin-Intoleranz?

Stets wird die Empfehlung gegeben, bei Histamin-Intoleranz (Unverträglichkeit) keine Linsen, Bohnen und Erbsen zu essen. 

Das ist nicht ganz richtig. Es ist nicht nötig, ein Leben lang auf Hülsenfrüchte zu verzichten.

Denn die Histamin-Intoleranz verschwindet nach individuell kürzerer oder längerer Zeit, wenn die Ernährung stimmt und der Darm sich reguliert. So ist das jedenfalls mit der Makrobiotischen Heilküche (MBH).  

Wie man das macht, habe ich in diesem Beitrag genauer erklärt: Histaminintoleranz ist kein Schicksal

So werden Hülsenfrüchte bekömmlicher

Bei den weichen Hülsenfrüchten neigt man dazu, das ausgiebige Kauen zu vernachlässigen.

Deshalb ist es eine gute Idee, gleichzeitig vollwertigen Reis zu essen, der sehr gut gekaut werden kann.

Außerdem kann man beim Kochen von Hülsenfrüchten experimentieren und rausfinden, was sie vielleicht etwas leichter verdaulich macht. Hier ein paar Tipps dazu:

Linsen keimen

Linsen -  Keimen macht sie bekömmlicher

9 Tipps zum Kochen von Hülsenfrüchten

Tipp 1

in kaltem Wasser einweichen, am besten über Nacht oder länger

Tipp 2

so lange einweichen, bis sie beginnen zu keimen (siehe Foto)

Tipp 3

während des Einweichens und danach sehr gründlich spülen

Tipp 4

nach dem Einweichen mit kochendem Wasser überbrühen

Tipp 5

ohne Deckel 10 Min kochen lassen

Tipp 6

nach dem Aufkochen 2 Stunden stehen lassen, mit frischem Wasser weiter kochen

Tipp 7

immer mit Wasser bedeckt kochen, Wasser nachfüllen, wenn es verkocht ist

Tipp 8

wichtig: Hülsenfrüche immer ganz weich kochen, das dauert bei den meisten Sorten eine bis mehrere Stunden, egal was auf der Tüte als Kochzeit angegeben wird

Tipp 9

die Verdauung erleichternde Kräuter mitkochen: Bohnenkraut, Koriander ...

Wenn die Tipps alle nicht helfen, ist es ein recht sicheres Zeichen dafür, dass die Bauchspeicheldrüse schwach ist, weil die Schilddrüse in Unterfunktion ist. Der gesamte Verdauungsbereich ist dadurch geschwächt.

Dann nutzt es wenig, die Linsen und Bohnen so oder so zu kochen. Dann geht es darum, der Schilddrüse und dem Darm zu helfen, wieder gesund zu werden.

Ich empfehle dazu das Kochen nach der Makrobiotischen Heilküche (MBH) und wünsche viel Erfolg dabei!

jutta-bruhn-ebooks

Koche Dich raus aus den Schilddrüsenproblemen! 

Meine Ratgeber-Ebooks:

  • Hallo Jutta,
    tolle Informationen -herzlichen Dank dafür!
    Meine Frage zu Hülsenfrüchten ist, ob sie auch der Grund für Durchfall sein können. Ich esse meistens mittags eine Schüssel Salat (Grünzeug, Tomaten, Möhren, Schafskäse ect.) und dazu Bohnen wegen der Proteine. Oft bekomme ich aber sofort Durchfall. Mir scheint das an den Bohnen zu liegen (heute waren es schwarze Bohnen). Ich gebe zu, dass ich nicht sorgfältig gekaut habe, weil die Arbeit laut gerufen hat.
    Wenn Dir das schon mal untergekommen ist, wäre ich für Infos und Tipps sehr dankbar!
    Ana

  • Hallo Jutta,

    ich weiche meine Hülsenfrüchte 48 Stunden ein, bis sie leicht nach Alkohol riechen.

    Dann sind sie optimal aufgeschlossen und bereiten auch keine Probleme mehr.

  • Liebe Jutta,
    vielen Dank für die tollen Informationen und umfangreichen Hilfestellungen!
    Ich habe noch Fragen zu Bohnen und Linsen: Sollen diese in reinem Wasser eingeweicht werden, oder soll auch Salz hinzugefügt werden?

    Liebe Grüße,
    Daniela

  • Danke für die wertvollen Infos Jutta. Ich möchte das Reisfasten auch einmal machen, das E-Book habe ich aber noch nicht, dafür die anderen 🙂 – kannst du das Reisfasten auch im normalen Alltag empfehlen oder ist es ratsam auf den Urlaub zu warten?
    Liebe Grüße Roswitha

    • Hallo Roswitha, nein, zum Reisfasten braucht man nicht Urlaub zu machen. 🙂 Ich schätze es gerade deswegen, weil man es unproblematisch im Alltag einfügen kann. Es ist ja nur ein Tag in der Woche. Manche machen das sonntags, andere an einem Arbeitstag. Im Kurs gehe ich darauf ein.

      Viele Grüße aus Berlin
      Jutta Bruhn

      • Hallo, kann ein Kleinkind vom Kitaessen (Großküche) „Linsendahl“ über den Nachmittag einen Blähbauch kriegen und sich beim Abendessen nach einem dicken Rülps sogar mehrfach übergeben? Hatte zum Abendessen nicht viel gegessen. Hülsenfrüchte essen wir sonst nicht so oft. Danke für Antwort

  • Hallo Jutta,
    Ich vertrage Hülsenfrüchte eigentlich ganz gut. Linsen liegen mir „schwer im Magen“. Ansonsten merke ich nichts. Nun habe ich habe gelesen, dass Hülsenfrüchte Lektine enthalten, die giftig wirken und somit das Leaky Gut Syndrom begünstigen. Sie erhöhen die Durchlässigkeit der Darmschleimhaut, so dass die Lektine u. a. Giftstoffe in den Blutkreislauf geraten können. Ist es nicht ratsam, die Hülsenfrüchte zumindest für Hashimoto Patienten vorsichtshalber von der Liste zu streichen?

    • Hallo Josefine, nein, die Hülsenfrüchte würde ich nicht streichen. Denn sie werden über Nacht eingeweicht. Die schädigenden Stoffe werden so rausgelöst. Das Einweichwasser wird weggeschüttet.

      Im Gegenteil, ich bekomme immer wieder Berichte von Leuten, die nach wenigen Wochen dieser Ernährung ihre Intoleranzen nicht mehr spüren. Das ist ein sicheres Zeichen für die Gesundung der löchrigen Darmwand. Allerdings gehört dazu auch der Rest der Makrobiotischen Heilküche. 🙂

      Viele Grüße aus Berlin
      Jutta Bruhn

  • hallo liebe jutta…
    ich esse für mein leben gern linsen… ich weiche sie über nacht ein…am besten mit abgekochtem warmen wasser und einer prise natron… wasche sie auch vorm einweichen…gieße das einweichwasser weg… und koche sie dann bis sie weich sind… und füge bohnenkraut oregano und kümmel dazu… und habe keinen aufgeblähten bauch und auch übelriechenden geräusche mehr 😉 esse buchweizen,reis dazu oder einfach so …natürlich mit kokosöl 😉 welches ich im moment mit leinöl mische …ab und zu auch etwas olivenöl… und habe seit knapp 2 jahren( seit ich glutenfrei essen muß…und überwiegend kokosöl benutze auch auf brot ca. 20cm bauchumfang und ca. 10 kg. weniger

    gruß renate 🙂

  • Ohje, dann bin ich so ein Fall, die keine Hülsenfrüchte verträgt, hängt wahrscheinlich mit meinem Darm zusammen 🙁 Habs mit Bohnen, paar Tage später mit roten Linsen probiert, es war ne Katastrophe, Druck im Bauch ohne Ende!

    Glg,Klementina

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